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Amjad, Iyad und Osama – 5.306 Kilometer Flucht

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Iyad, 25, studierte in Aleppo Archäologie.
Amjad, 19, ging in al-Thaura zur Schule.
Osama, 25, studierte BWL in Damaskus.



Im Wohnzimmer von Osamas Bruder,
der seit vielen Jahren in Thüringen lebt.
Seine Wohnung war immer ihr Ziel.

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Es war ein Freitag im Januar 2012 in Damaskus. Viele von uns hatten eine Demonstration nach dem Freitagsgebet geplant. Wir waren unbewaffnet und hatten nur unsere Handys, mit denen wir festhielten, wie der Geheimdienst Menschen festnahm und auf uns schoss. Wir haben uns in der Moschee versteckt. Nach einer Stunde dachten wir, sie seien weg. Ich wollte ein Taxi nach Hause nehmen. Plötzlich hielt ein Auto, sie nahmen mich mit. Ich musste mich ausziehen, ich war völlig nackt. Sie fingen an, mich zu schlagen. Ich habe nur geschrien: Lasst mich, was wollt ihr? Und: Allahu Akbar. Der Geheimdienst wollte, dass ich Basharu Akbar sage. Es gibt keinen Größeren als Bashar al-Assad. Ich habe es gesagt. Als Muslim schäme ich mich bis heute dafür. Es hat auch nichts gebracht. Sie haben mich weiter gefoltert. Nachts schütteten sie Wasser über uns. Ein Mal habe ich einen Stromschlag bekommen. Meine Augen taten mir danach so weh, dass ich Angst bekam, ich würde nie wieder sehen können. Mein Bruder hatte Bekannte, die ihm halfen uns freizukaufen. Damals hat das ungefähr 3.000 Dollar gekostet, 150.000 Lira.

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Im April 2012 hatte ich wieder einmal Medikamente nach Damaskus geliefert. Zu Hause tauchte dann der Geheimdienst auf. Die kannten meinen Vater, der mehr als zwanzig Jahre Soldat in der syrischen Armee gewesen war. Sie baten ihn, mich für zwei Stunden mitnehmen zu können. Ihm blieb nichts anderes übrig, als einzuwilligen. Aus den zwei Stunden wurden 16 Tage. Sie haben mich an Händen und Füßen gefesselt. Ich konnte nur meinen Kopf bewegen. Ich war nackt. Es war kalt. Sie hatten uns in einen Keller gesperrt, wo es noch kälter war. Mit einem Kabel haben sie uns geschlagen. Sie haben versucht, uns zu kriminalisieren, mehrere hundert Leute. Der Vorwand lautete: Wir hätten ein Haus angezündet. Jeden Tag fragten sie: Hast du das Haus angesteckt? Sie wollten uns lediglich einschüchtern. Einer hat sich schließlich dazu bekannt. So mussten sie alle anderen freilassen.

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Im August 2012 ging die Regierung brutal gegen uns Demonstranten vor. Sie bombardierte die Stadt, der Geheimdienst schoss auf uns. Ich fotografierte mit dem Handy. Wir waren alle noch keine 18, meine Freunde und ich. Nach einer der Demonstrationen haben wir uns in einer Wohnung versteckt. Uns war klar, dass der Geheimdienst jetzt Leute festnahm. Sie klopften an unsere Tür. Schmeißt eure Sim-Karten weg, rief jemand. Wir mussten uns auf den Boden legen und wurden gefesselt. Sie haben die Wohnung durchsucht –angeblich nach Waffen. Natürlich hatten wir keine. Wir wurden trotzdem zehn Tage eingesperrt. Sie haben uns gefoltert. Es war klar, dass wir sagen sollten, was sie hören wollten. Wir wussten aber gar nicht, was sie wollten. Namen gaben wir keine preis. Am Tag meiner Entlassung haben sie meinen Vater bedroht: Wenn dein Sohn weiter mitmacht, nehmen wir dich fest. Ich werde nicht aufhören, bis ihr verloren habt, habe ich da gedacht.

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Osama nach der Haft

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Während ich auf der Arbeit war, rief mich mein Onkel an: Das Geld ist da. Wir hatten fast nicht mehr daran geglaubt. Wir hatten andere Pläne gemacht. Ich sollte zu einem anderen Onkel nach Saudi-Arabien und Iyad alleine mit Osama nach Deutschland. Ich war so froh.

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Osamas Bruder hat gerade Nachtschicht, als die drei ihn anrufen. Kannst du uns abholen?

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Syrien-Türkei - 200 Euro    
        
Türkei-Griechenland - 1.100 Euro 

Griechenland-Albanien - 1.500 Euro

Albanien-Montenegro - 1.500 Euro

Montenegro-Ungarn - 700 Euro

Ungarn-Deutschland - 1.500 Euro

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Iyad, Amjad und Osama wollen  arbeiten. Dafür brauchen sie eine Aufenthaltserlaubnis. Amjad hat seine im März erhalten. Die anderen warten noch.

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Amjad, Iyad und Osama haben ihre Flucht selber dokumentiert. Vor allem Amjad filmte und fotografierte die Reise bis nach Thüringen mit seinem Smartphone. Das Material haben sie der taz zur Verfügung gestellt.

Das Lied von Murat Swaity, das einige Szenen untermalt, haben sie während ihrer Flucht immer wieder gehört.

In Thüringen hat die taz.am wochenende die drei Syrer besucht, mit ihnen über ihre Flucht gesprochen, den Weg rekonstruiert und nachgerechnet, was sie am Ende wirklich für die Schleuser bezahlt haben.

Aus dem gesamten Material haben Svenja Bednarczyk, Sebastian Erb, Johannes Gernert und Rieke Havertz für taz.de diese Multimediareportage produziert.

Die taz Panter Stiftung hat das Projekt finanziell unterstützt.

Die Print-Reportage "Wo geht es nach Bad Langensalza?" lesen Sie in der taz.am wochenende vom 28./29. März 2015.

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Osama will irgendwann wieder in seine Heimat. Sie haben es nur nicht mehr ausgehalten dort. "Deutschland ist ein völlig anderes Land. Mit einer anderen Kultur, mit anderen Gesetzen", sagt er. "Deshalb war es auch so großartig, dass jemand auf uns gewartet hat, um uns hier zu helfen, uns zu beraten." Jetzt will er deutsch lernen, sich fortbilden, um seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, um seine Familie  zu unterstützen – sein Land.

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Iyad fühlt sich wohl in Deutschland. Was er den Pegida-Leuten aber gerne sagen würde: "Ich habe meine Heimat nicht freiwillig verlassen. Ich war dazu gezwungen. Ich will nicht auf Kosten anderer leben. Ich will arbeiten, mein eigenes Geld verdienen und anderen helfen. So bin ich erzogen."

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In der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenberg hat sich Amjad wie im Gefängnis gefühlt. Alles lag hinter Mauern, hinter Zäunen. Wenn sie rausgingen, mussten er den Ausweis abgeben. Dann wurden sie nach Suhl verlegt. Jetzt sind sie oft bei Osamas Bruder. „Ich hoffe, ich kann bald einen Angelschein machen und angeln gehen“, sagt Amjad.

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Kapitel 1 5.306 Kilometer Flucht

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Kapitel 2 Die Revolution

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Kapitel 3 Abschied und Aufbruch

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Kapitel 4 Von Athen nach Albanien

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Kapitel 5 Das Ende einer Reise

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Kapitel 6 Making of

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